ERP-Shadow-IT

Wenn Teams heimlich mit Excel weiterarbeiten – und was das wirklich kostet

Ein ERP-System verspricht Ordnung, Effizienz und zentrale Steuerung.
Es soll Abläufe vereinheitlichen, Informationen vernetzen und Entscheidungen auf fundierter Datenbasis ermöglichen.

Doch in vielen Unternehmen läuft es anders:

Statt sich auf das ERP zu verlassen, erstellen Teams eigene Excel-Tabellen, pflegen parallele Listen oder programmieren kleine Tools, die am zentralen System vorbei operieren. Still und heimlich entsteht eine Schatten-IT – mit ernsten Konsequenzen für die betriebliche Effizienz und die Kostenstruktur.

 

Was ist ERP-Shadow-IT überhaupt? 

ERP-System eingeführt. Schulung gemacht. Go-Live erfolgreich. Und trotzdem arbeitet die halbe Belegschaft weiterhin „inoffiziell“ mit ihren alten Excel-Tabellen. Willkommen in der Welt der ERP-Shadow-IT – einem Phänomen, das mehr Schaden anrichtet, als vielen bewusst ist.

     - Excel statt Zeiterfassung im ERP
     - manuelle Projektkalkulationen neben der offiziellen Angebotslogik
     - Auswertungen in PowerPoint, weil der ERP-Report „zu kompliziert“ ist

Das Gefährliche: Shadow-IT ist nicht böswillig – sie entsteht aus Pragmatismus, Gewohnheit oder fehlender Schulung. Aber sie untergräbt zentrale Vorteile eines ERP-Systems: Datenkonsistenz, Transparenz und Automatisierung.

 

Warum Mitarbeitende das ERP umgehen

Die Gründe für das Entstehen von Shadow-IT sind meist menschlich – und in der operativen Realität tief verankert:

Gewohnheit
Excel ist bekannt, flexibel, schnell verfügbar. Mitarbeitende haben oft jahrelang damit gearbeitet und wissen, wie sie sich damit behelfen können – im Gegensatz zum neuen ERP, das „anders“ tickt.

Usability-Probleme
Wenn das ERP nicht intuitiv zu bedienen ist oder häufige Anwendungsfälle zu kompliziert abgebildet werden, weichen Nutzer aus. Niemand kämpft gerne mit Masken und Menüs, wenn es mit Excel einfacher geht.

Zeitdruck
In stressigen Situationen greifen Mitarbeitende lieber zu bewährten Tools, als sich durch komplexe ERP-Workflows zu klicken – auch wenn sie wissen, dass es „eigentlich“ anders vorgesehen ist.

Fehlende Schulung und Akzeptanz
Wer das System nicht wirklich versteht oder den Sinn nicht erkennt, fühlt sich gegängelt – und sucht sich Schlupflöcher.

Das Ergebnis: Das ERP läuft, aber wird nicht konsequent genutzt. Stattdessen entstehen zahllose „Mini-Lösungen“, die isoliert gepflegt werden.

 

Was Shadow-IT im ERP-Umfeld wirklich kostet

Auf den ersten Blick mag eine Excel-Tabelle harmlos wirken – ein schneller Export, ein eigenes Dashboard, eine Liste für interne Zwecke. Doch in Summe entstehen durch solche Schattenprozesse massive Nachteile:

Versteckte Mehrarbeit
Daten werden doppelt gepflegt – im ERP und in Excel. Das kostet Zeit. Gleichzeitig entstehen Rückfragen, Abstimmungsaufwände und manuelle Nachbearbeitungen, wenn Daten nicht zusammenpassen. Reibungsverluste, die sich täglich summieren.

Fehlende Transparenz
Das ERP bietet keine vollständige Sicht auf die Realität, wenn Teile der Arbeit außerhalb stattfinden. Planungen basieren auf unvollständigen Informationen, Reportings hinken hinterher oder beruhen auf Schätzungen.

Erhöhte Fehleranfälligkeit
Excel ist fehlerfreundlich. Ein falscher Wert, eine kopierte Zeile zu viel, ein fehlendes Update – und schon stimmen Zahlen nicht mehr. Diese Fehler schleichen sich unbemerkt ein, beeinflussen aber Entscheidungen.

Risiken für Datenschutz & Compliance
Unkontrollierte Datenhaltung in Excel kann zum Risiko werden – gerade bei sensiblen Kundeninformationen oder personenbezogenen Daten. Zugriffsrechte, Protokollierung und Revisionssicherheit fehlen. Auch steuerrechtlich relevante Prozesse (z. B. Zeiterfassung oder Faktura-Vorbereitung) dürfen nicht im Schatten laufen.

Verschwendete Investitionen
Ein ERP-System ist teuer – nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Betrieb, der Anpassung und der Schulung. Wenn Mitarbeitende das System nicht nutzen, verpufft ein Großteil des Nutzens. Die Digitalisierung wird zur Scheinlösung.

 

Wie Sie die ERP-Shadow-IT in den Griff bekommen

Der Weg raus aus der Schattenwelt beginnt mit dem Verständnis: Niemand verwendet Shadow-IT, um zu schaden – sondern, weil das offizielle System in der Praxis nicht (ausreichend) hilft. Daraus ergeben sich konkrete Handlungsfelder:

Nutzerfeedback ernst nehmen
Fragen Sie gezielt nach: Wo hakt es? Welche Prozesse werden extern abgebildet – und warum? Mitarbeitende wissen sehr genau, was im Alltag nicht funktioniert. Nutzen Sie dieses Wissen zur Optimierung.

ERP an der Praxis ausrichten
Viele Schattenlösungen entstehen, weil das ERP zu starr oder unvollständig wirkt. Prüfen Sie, ob sich mit Anpassungen (z. B. benutzerdefinierte Masken, Automatisierungen, Berichte) echte Mehrwerte schaffen lassen.

Schulungen praxisorientiert gestalten
Standardtrainings reichen nicht. Schulen Sie spezifisch nach Rollen und Prozessen. Zeigen Sie konkret, wie Aufgaben im ERP schneller, einfacher oder sicherer erledigt werden können als in Excel.

Kontinuierlich evaluieren
Statt das ERP nur einmalig einzuführen, braucht es regelmäßige Reviews: Welche Module werden aktiv genutzt? Wo gibt es Ausweichlösungen? Welche Reports werden extern erstellt? Daraus ergibt sich ein Frühwarnsystem für Schattenprozesse.

Kulturwandel fördern
Machen Sie klar: Das ERP ist nicht die Pflicht – und Excel die Kür. Sondern das ERP ist das zentrale Steuerungsinstrument des Unternehmens. Wenn Mitarbeitende dort nicht arbeiten, fehlt der Blick aufs Ganze. Diese Verantwortung sollten alle mittragen.

 

FAZIT: Schatten-Excel kostet echtes Geld

Excel ist kein Feind – aber im Schatten eines ERP-Systems wird es schnell zum Problem. ERP-Shadow-IT ist kein Randphänomen, sondern ein ernstzunehmendes Signal für Lücken in Prozessen, Systemen oder Kommunikation. Sie verursacht unnötige Mehrarbeit, senkt die Datenqualität und reduziert die Steuerungsfähigkeit des Unternehmens. Wer Kosteneffizienz ernst meint, muss diese Schattenprozesse aufdecken, verstehen – und konsequent integrieren.

 

 

Wer Shadow-IT duldet, verschenkt Marge. 

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