ERP Go-Live - Und dann ?

Warum viele Projekte gerade nach dem Start scheitern

Teil 1: Der Mythos vom Ziel: Warum "Go-Live" kein Happy End ist
Viele Unternehmen betrachten den Go-Live als das große Ziel und definieren "Erfolg" an der reinen Inbetriebnahme: Ein Trugschluss

Teil 2: Stolperfallen nach dem Go-Live: Was jetzt schief gehen kann - und oft auch tut
Die ersten vier bis acht Wochen nach dem Go-Live sind die entscheidensten.

Teil 3: Hypercare: Die Phase, in der alles auf dem Spiel steht
Jetzt zeigt sich, wie tragfähig das Projekt wirklich ist.

Teil 4: Change Management 2.0: Die  zweite Welle der Veränderung
Ein großer Irrtum: "Jetzt wo das System läuft, gewöhnen sich die Leute schon daran." 

Teil 5: Stabilisierungsphase: Von "es läuft irgendwie" zu "es läuft gut"
Die Zeit unmittelbar nach dem Go-Live ist oft geprägt von Hektik und Fehlerbehebung – doch spätestens danach braucht es eine bewusste Stabilisierungsphase.

Teil 6: Erfolgsmessung nicht vergessen
Viele ERP-Projekte scheitern nicht am technischen System, sondern daran, dass sie keinen klaren Maßstab für Erfolg definieren.

Teil 7: Lessons learned: Warum Reflexion Pflicht ist
Nur wer bewusst reflektiert, kann aus Erfahrungen lernen.

Stabilisierungsphase:

Von "es läuft irgendwie" zu "es läuft gut"

Ein ERP-System ist kein einmaliges Produkt, das nach dem Go-Live „fertig“ ist. Vielmehr ist es ein lebendiges System, das kontinuierlich betreut und optimiert werden muss. Die Zeit unmittelbar nach dem Go-Live ist oft geprägt von Hektik und Fehlerbehebung – doch spätestens danach braucht es eine bewusste Stabilisierungsphase.

Was bedeutet Stabilisierung konkret?

Systematische Dokumentation der Erkenntnisse:
Erfassen Sie, welche Probleme häufig auftreten, welche Prozesse noch nicht rund laufen und wo die User immer wieder nachfragen. Diese Dokumentation ist Gold wert, um den Fokus bei weiteren Verbesserungen gezielt zu setzen.

Standardisierung der Abläufe:
Nutzen Sie die Erkenntnisse aus der Hypercare-Phase, um Prozesse zu vereinheitlichen und Schnittstellen zu optimieren. Gerade Workarounds, die während der Umstellungsphase entstanden sind, müssen geprüft und in den Prozess integriert oder eliminiert werden.

Optimierung der Systemkonfiguration:
Kleine Anpassungen, zusätzliche Automatisierungen oder verbesserte Benutzeroberflächen erhöhen die Akzeptanz. Das geht nur, wenn das Projektteam eng mit Key-Usern und IT zusammenarbeitet.

Schaffung einer Governance-Struktur:
Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten für den Betrieb, Weiterentwicklung und die Pflege des ERP-Systems. Dies verhindert Wildwuchs und sichert langfristige Qualität.

Einbindung der Nutzer:
Mitarbeiter sollen weiterhin eingebunden bleiben – sei es durch regelmäßige Feedbackrunden, Schulungen oder Infoveranstaltungen. So wird der Wandel gemeinsam getragen.

Diese Erkenntnisse fließen idealerweise in eine „Stabilisierungsphase“ ein – bevor man an den nächsten Rollout oder weitere Module denkt. Auch hier gilt: Qualität vor Geschwindigkeit.

Diese Stabilisierungsphase sollte etwa drei bis sechs Monate nach dem Go-Live greifen. Das Ziel: Prozesse laufen weitgehend fehlerfrei, die Datenqualität ist gesichert, das System wird akzeptiert und produktiv genutzt.

Jetzt ist der Moment, um:

     - Prozessanpassungen gezielt vorzunehmen (statt im Chaos-Modus)
     - Trainings zu vertiefen (z. B. per E-Learning, Videos oder Sprechstunden)
     - Auswertungstools wie BI-Systeme produktiv zu nutzen
     - Roadmaps für die Weiterentwicklung zu definieren

Denn eines ist sicher: Kein ERP-System bleibt, wie es ist. Neue Anforderungen, Module oder Integrationen stehen schon vor der Tür.

 

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